• Viviana

Breclav während Corona

Aktualisiert: 19. Apr. 2021

Am 7. August hatte ich es endlich geschafft, etwas umzusetzen, was ich mir schon so lange vorgenommen hatte. Ich reiste mit dem Zug nach Breclav. Ich wusste es selbst nicht genau, aber irgendetwas schien mich an diesem Ort zu reizen. Auf Youtube hatte ich mir in den Tagen davor einige Videos zum Ort angesehen, welche meine Intuition bestätigten, dass es richtig wäre, diesem kleinen, feinen Örtchen im tschechischen Süden nahe der Grenze zu Österreich eine Chance zu geben.

So machte ich mich also an einem sonnigen Augusttag auf nach Breclav. Schon am Bahnhof Wien Liesing genoss ich die Sommersonnenstrahlen, wartend auf den Zug nach BRECLAV, der wenige Minuten später auch schon einfuhr. Ich wusste nicht viel über Breclav, angeblich gab es eine Burgruine, die ich mir unbedingt ansehen wollte. Für diejenigen, die es noch nicht wissen: ich liebe es Burgen, Burgruinen, Schlösser, alte Gemäuer und Ähnliches zu besichtigen, am liebsten von außen, innen finde ich sie meistens gar nicht soooo interessant – warum auch immer. Es also ging los: auf diese Weise kam es zu meiner ersten Erfahrung mit einer einstündigen Zugfahrt, in der ich eine Maske trug. Die Fahrt verlief – trotz der Maske, die ich jedoch hin und wieder von der Nase wegdrückte - wirklich sehr angenehm, ohne jegliche Komplikationen, alles lief glatt und so kam ich nach nur einer Stunde Fahrzeit in Breclav an. Irgendwie war es schon ein bisschen anders als Österreich, aber oft frage ich mich auch, ob alleine das Wissen, im Ausland zu sein, dazu beiträgt, dass einem etwas „fremd“ oder „anders“ vorkommt. Vermutlich hätte es genauso ein Ort in Österreich sein können, wenn nicht die Sprache anders wäre. Ich wollte mir jedenfalls das kleine Örtchen und vor allem die Ruine ansehen, weshalb ich gleich einmal dorthin steuerte. Vom Bahnhof aus sollte mich die Hauptstraße bis zum Zentrum führen, danach ging es nach rechts weiter bis zur Ruine. Wenige Meter vom Bahnhof entfernt, wurde ich von einer Brücke begrüßt, die mir links und rechts eine wunderbare Weitsicht ermöglichte (siehe Foto).



Es war generell eher wenig los in der Ortschaft, könnte an Corona liegen; auffällig war auch, dass hier in den Supermärkten keine Maskenpflicht herrschte, was ich gleich beim ersten Snackkauf vernahm. Ausgestattet mit Speis und Trank ging es nun aber wirklich zur Ruine. Auf dem Weg dahin konnte ich bereits einen ersten Eindruck der City gewinnen: von kleinen netten Gässchen bis hin zur stark befahrenen Hauptstraße war alles mit dabei. Bald wies mich das Navi nach rechts, an einem kleinen Flüsschen entlang, in eine sehr ruhige Gegend, ein bisschen wie eine Hinterhofgegend – aber nicht negativ gemeint, fast wie ein eigener kleiner Ort in der Stadt: plötzlich war alles viel ruhiger und grüner als vorne an der Straße. Ich spazierte den Fluss entlang über Stock und Stein, bewunderte Vögel und Enten sowie Pflanzen und Steine am Flussrand. Irgendwie war es doch wie in einem kleinen „Wunderland“, wie von Zauberhand erfasst. Plötzlich stand ich vor einer Ruine. Das sollte also die Burgruine sein! Ja, ich merkte, dass es eine Ruine war, aber so wirklich ruinenmäßig sah sie auch wieder nicht aus, hätte auch noch eine bewohnbare Burg sein können, zumindest von außen sah sie für eine Ruine noch recht stabil aus (siehe Fotos).





(Okay, hier sieht’s schon ein bisschen nach Ruine aus. :-O).


In diesem Falle hatte es mich ausnahmsweise interessiert, wie sie drinnen aussah, weshalb ich versuchte, die Türe zu öffnen - sie war schlossen. No na, hätte ich mir denken können, aber ein Versuch war es wert gewesen. Ich lief einmal links herum und besichtigte noch die andere Seite der Ruine, hier stand – so denke ich zumindest – irgendetwas von Veranstaltungen.

Ich hatte Glück und landete ohne Navi – also quasi der Nase nach in einer ruhigen Gasse mit netten, kleinen Häuschen, die mich zum Fluss wies, an dem ein Fuß- und Fahrradweg entlang führte. Ein bisschen entlang des Flusses stolzieren: DAS war jetzt genau das Richtige! Immerhin war es mitten im Sommer und mit zirka 30 Grad Celsius doch recht heiß. Am Fluss entlang hatte ich wieder einmal wunderbare „View“ (siehe Foto) zur anderen Flussseite hinüber, ach wie fein. Irgendwann war ich erschöpft und platzierte mich auf ein Bänkchen, um hier etwas zu verweilen und mein Obst und Gemüse zu brunchen. *yammayamm*


Ein sehr schönes Plätzchen für einen Nachmittagsbrunch, fast schon verdächtig ruhig war es hier, hin und wieder kam aber doch ein Spaziergänger oder Fahrradfahrer vorbei. Ich genoss das schattige Örtchen und die leichte Brise, bevor ich mich wieder auf den Weg begab. Über kleinere Gässchen ging es nun für mich Richtung Bahnhof, wo ich noch den Park besichtigen wollte, der angeblich sehr nice sein sollte. Doch davor erkundete ich den Supermarkt Tesco– ich wollte wissen, ob hier tatsächlich vieles deutlich billiger war als in Österreich, wie dies so gesagt wird - und fand doch einige brauchbare Bioprodukte wie Buchweizen und Reis. Gut gesattelt führte mich mein Weg zum Park, wo ich einige nette Denkmäler entdeckte und fotografierte (siehe Fotos).





Wer auch immer mir den Tipp mit dem Park gegeben hatte, danke an dieser Stelle, du hattest Recht, es lohnt sich auf jeden Fall, etwas Zeit für diesen Park einzuplanen, wirklich sehr sehr nice hier. Ich genoss die Ruhe und Entspannung sowie das Grün um mich herum. Mitten in der Stadt und dennoch war es so ruhig, dass ich meditieren hätte können. So verging die Zeit des Relaxings und der Heimweg rief mich zum Bahnhof, wo mir leider ein kleines Unglück passierte.

Es ist mir bis heute ein Rätsel wie es sich zutragen konnte, dass ich meinen Zug dennoch verpasste. Eventuell war ich einmal kurz abgelenkt, just in diesem Moment wurde offenbar der Bahnsteig meines Zuges angezeigt und ehe ich mich versah, musste mein Zug auch schon abgefahren sein. Ich habe bis heute absolut keine Idee, auf welches Art und Weise dies zugegangen war. Jedenfalls war mein Zug, für den ich die Fahrkarte gekauft hatte, dann weg und ich noch da. *schnüf* Nun blieb mir also nichts anders übrig als zu gucken, wann denn der nächste Zug nach Wien fuhr, in einer halben Stunde, okay, das ging doch. Also nochmals ein halbes Stündchen warten und dann ab nach Haus. Obwohl ich mir hätte denken können, dass meine Fahrkarte für den nächsten Zug nicht gültig wäre, versuchte ich es dennoch. Ich stieg in den Oebb Zug nach Wien – mit der tschechischen Railjet Fahrkarte (bitte nicht nachmachen!). Ich bezahlte ohne jegliches Murren meine neue Fahrkarte inkl. Mahngebühr und versuchte die ganze Sache so schnell wie möglich wieder zu vergessen und mich nicht zu ärgern – was leider nur mäßig funktionierte. Aber was ist schon Geld, am wichtigsten ist doch Gesundheit. So grübelte ich zwar auf der Heimfahrt noch etwas über das Missgeschick nach, jedoch war es doch gut, dass ich trotz allem unversehrt wieder zuhause in Wien Liesung bzw. Wien Mauer ankam und auf einen sehr gehaltvollen Sommerausflug mit zahlreichen neuen Eindrücken und Erkenntnissen zurückblicken kann. Ich war glücklich und dankbar, einen so wundervollen Tag erlebt zu haben, da kam es auf die 20 Euronen mehr nun auch nicht an.


Infos zu Breclav findet ihr hier:

https://www.sued-maehren.de/de/erlebnisse/o71101-die-stadt-breclav






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